Forum
» Forum registrieren  anmelden
Das Rechtschreibwerkstatt Forum minimieren
 
ForumForumUnterrichtUnterrichtRechtscheibwerk...Rechtscheibwerk...Spracherfahrungsansatz BrügelmannSpracherfahrungsansatz Brügelmann
vorherige vorherige
 
Nächste Nächste
neuer Beitrag
 06.05.2009 12:15
 
 bearbeitet durch sst  am 06.05.2009 12:21:50
Hallo,

ich schreibe im Moment meine erste Examensarbeit über den Schriftspracherwerb in der Grundschule. Im Zuge meiner Recherchen habe ich mir die Frage gestellt, ob es sich bei der Rechtschreibwerkstatt um eine Lernumgebung im Sinne von Brügelmann / dem Spracherfahrungsansatz handelt.

Dafür spricht meiner Meinung nach, dass die Kinder individuell und selbstständig arbeiten können und demnach nicht alle zur gleichen Zeit am Gleichen arbeiten müssen oder sollen. Auch steht den Kinden von Anfang an das gesamte Phonem-/Grapheminventar zur Verfügung. Fehler werden als Lernchance genutzt und die Kinder werden über das Schreiben ans Lesen heran geführt.
Andererseits sind den Schülerinnen und Schülern die Materialien vorgegeben, mit denen sie arbeiten sollen. Sie können dadurch doch eben nicht mehr ihren eigenen individuellen zugang finden, oder?

Es wäre nett, wenn ihr mir weiterhelfen könntet :-)

Vielen Dank im Voraus.

LG
Simon
neuer Beitrag
 07.05.2009 12:55
 
Hallo Simon,
meiner Meinung nach steht bei der RSW die Entwicklung der Rechtschreibung im Vordergrund und nicht der Spracherwerb in seiner gesamten Bandbreite. Ich beziehe mich dabei auf das Viersäulenmodell von Brügelmann und Brinkmann. Meines Erachtens deckt die RSW nur eine Säule ab.

Grüße

Jörg
neuer Beitrag
 07.05.2009 17:55
 
 bearbeitet durch sst  am 07.05.2009 17:56:38
Danke für deine Email und die schnelle Antwort.

Ich denke, du hast recht. Wobei die RSW sicherlich auch eine Rolle spielt oder eine Rolle spielen kann bei der Säule "Systematische Einführung von Schriftelementen und Leseverfahren", oder?

Dann formuliere ich meine Frage um: Passt die RWS in dieses Konzept hinein? Sie müsste dann natürliche durch andere Materialien etc. ergänzt werden, wie z.B. das Freie Schreiben nach Reichen. Ich denke aber, dass das gut möglich ist. Und ich denke auch die RWS passt in dieses Konzept.

Was mich nur sehr verwundert hat: Ich habe etliche Bücher über den Schriftspracherwerb (aus den letzten 10 Jahren) gelesen, in denen allen Reichen und der Spracherfahrungsansatz erwähnt werden, die RWS aber nicht. Gut, 10 Jahre alte Bücher sind vielleicht einfach zu alt dafür, aber ein zwei Jahre altes Buch ...? Mich wundert das schon sehr, da ich zumindest den subjektiven Eindruck habe, dass die RWS schon jetzt recht häufig verwendet wird und sich auch immer mehr genutzt wird. An allen Schulen, an denen ich Praktika gemacht habe, war mindestens ein Lehrer, der mit Hilfe der RWS unterrichtet. Ist die RWS noch zu neu, um in diesen Büchern erwähnt zu werden oder gibt es da irgendwelche anderen Gründe für?

Falls noch jemand mitreden möchte, das 4-Säulen-Modell findet ihr hier: www.erika-brinkmann.de/daten/ppt/vier-saeulen-modell.pdf
neuer Beitrag
 07.05.2009 21:38
 

Lieber Simon,

wer sich intensiv mit der Rechtschreibwerkstatt auseinandersetzt und sie im Unterricht eingesetzt hat wird wissen, dass dieses Konzept weit über das Feld Rechtschreiben hinausgeht. Es ist ein Unterrichtskonzept, das vom Lehrer die Einnahme einer anderen Rolle (Lehrer als aktiver Berater) erwartet und den Schüler mit seinen individuellen Lernwegen in den Mittelpunkt stellt. Das habe ich in den letzten zehn Jahren am Feld „Rechtschreiben“ und mit der Rechtschreibwerkstatt lernen und inzwischen auch auf andere Fächer übertragen können. (Rechtschreibwerkstatt als ein gemeinsames Lernfeld, um den eigenen Unterricht weiterzuentwickeln.) Das hat mich am Anfang viel Kraft gekostet und diese neue Rolle macht jetzt die Zufriedenheit mit meinem Lehrerberuf aus.

Man kann nicht seinen alten gelernten Unterrichtsstil beibehalten und zugleich sinnvoll die Rechtschreibwerkstatt ein- und umsetzen. Wenn jemand – und diese Erfahrung habe ich mit vielen Kolleginnen machen können – dies trotzdem versucht, wird sein Unterricht scheitern, was viele Einträge von Eltern hier im Forum zeigen.

Lieber Jörg,

ich kann nicht erkennen, dass im Konzept der Rechtschreibwerkstatt eine der vier Säulen von E. Brinkmann fehlt. Das „Freie Schreiben“ (1) nimmt gerade im Anfangsunterricht eine zentrale Rolle ein. Der Leselernprozess (2) ist hier sehr viel systematischer als in vielen anderen Lehrwerken (man schaue sich nur den logischen Aufbau der Lesetruhe an). Gleiches gilt für die Einführung der Schreib- und Leselernmethoden (3) – Sommer-Stumpenhorst war der erste, der Kindern eine professionelle Textkorrektur vermittelte und auch die Methode des Abschreibens entrümpelte usw. usf. - Warum Brinkmann et. al. immer noch am Grundwortschatz (4) festhalten ist mir schleierhaft. Warum sollen Kinder die Schreibung einzelner Wörter auswendig lernen, wenn sie die zugrundeliegende Struktur noch nicht verstehen können? Sinnvoller erscheint mir, mit den Kindern die Rechtschreibprinzipien systematisch zu entwickeln. Daniel, ein Schüler meiner jetzigen Klasse 1, schreibt das Wort „Computer“ auch ohne Üben richtig und die „häufig gebrauchten“ Lieblingswörter von Kevin möchte ich nicht wirklich mit ihm üben, da ich bei den meisten Wörtern rot anlaufen würde.

Was das eigenaktive Entdecken (Säule 1 und 3) der Ordnung der Rechtschreibung (die fehlt mit bei den Säulen) und verschiedener Strukturelemente der Schrift angeht, so braucht man nur einmal auf den Seiten von Graf Ortho zu stöbern oder sich die „Aufgaben für Spürnasen“ in den Aufgabenheften zum Modellwortschatz anzuschauen um zu sehen, dass es kein vergleichbar umfängliches Werk auf dem deutschen Schulbuchmarkt gibt, dass so konsequent das entdeckende Lernen der Kinder herausfordert und zugleich eine Struktur vorgibt, die ebenso konsequent auf die Ordnung der Rechtschreibung verweist.

Lieber Simon,

dass die deutsche Professorenriege das Konzept der Rechtschreibwerkstatt komplett ignoriert ist nicht verwunderlich (Reichen ging es lange Zeit ebenso). Und wenn dann doch eine Auseinandersetzung stattfand (stattfindet), dann bevorzugen viele Wissenschaftler eher „vernichtende“ Kritiken und weniger die sachliche Auseinandersetzung (siehe als jüngstes Beispiel Brügelmann und IntraActPlus).

Trotz der Lippenbekenntnisse zur Vielfalt und Verschiedenheit der Kinder gilt für die eigenen wissenschaftlichen Ansprüche gerade dies nicht, sondern letztlich dann doch nur der eigene Spracherfahrungssaft in dem so manche Wissenschaftler/innen gern und ausschließlich schwimmen.

Genug der Professor(innen)schelte. Mit dem Spracherfahrungsansatz liegt immerhin ein Konzept vor, dass eine radikale Abkehr vom herkömmlichen lehrerzentrierten Unterricht aufzeigt und damit – ebenso wie das Konzept von H. J. Reichen ein Wegbereiter für die Umsetzung der Rechtschreibwerkstatt in der Grundschule gewesen ist (oder war es umgekehrt?). Hier gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes.

Für meine Praxis in der Grundschule war der entscheidende Unterschied der Modellwortschatz (siehe meine Bedenken oben), der mich gerade in der praktischen Umsetzung überzeugt hat und nun seit fast zehn Jahren überzeugt. Meine Versuche mit einem Klassenwortschatz oder individuellen Lernwortschätzen war aufwändig und wenig ertragreich (siehe Kevin). Der Modellwortschatz bietet den Kindern Orientierungshilfe und die Rumpelkammerwörter bieten Spielraum genug, die individuellen Sprachschätze der Kinder mit einzubeziehen. Gerade dieses vorgegebene Material eröffnet im Unterricht und für die Kinder unendlich viele individuelle Zugänge zur Schrift. Dies gilt für die verschiedenen Methoden (abschreiben, Partner-, Selbstdiktat, Sortieraufgaben, Aufgaben für Spürnasen) ebenso wie für die Auswahl und die Ergänzung der Wörter mit dem Gebrauchswortschatz der Kinder (ohne Kevin).

Lieber Simon, bleiben Sie dran an ihrer differenzierten Sicht, vor allem dann, wenn Sie Verantwortung für eine Klasse übernehmen.

Viele Grüße

MarieF

neuer Beitrag
 07.05.2009 22:20
 
Liebe Marie,

erst mal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben und eine so ausführliche Antwort geschrieben haben. Als ich meine Antwort auf Jörgs Beitrag geschrieben habe, hatte ich nur das Rechtschreibhaus vor Augen und da hab ich an das freie Schreiben und den Bereich des Lesens gedacht. Das ist das Problem, wenn man sich vornehmlich auf theoretischer Ebene mit solchen Dingen auseinandersetzt.

Das Wörter "auswendig lernen" nicht sehr ertragreich ist, entspricht eigentlich auch dem, was ich in meinem bisherigen Studium gelernt habe. Allerdings habe ich über Methoden des Schriftspracherwerbs (also die didaktische Perspektive) auch nur etwas in Seminaren gelernt, die von Lehrerinnen gehalten wurden, die im richtigen Leben an einer Grundschule tätig sind und nur dieses eine Seminar gemacht haben. Von daher hat mich die Literatur, in der dies fast ausschließlich anderes dargestellt wird, etwas irritiert.

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Liebe Grüße
Simon
neuer Beitrag
 08.05.2009 08:18
 
Liebe Marie, lieber Simon,
es freut mich immer sehr, wenn hier eine konstruktive Auseinandersetzung in Gang kommt.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich mit der Lesetruhe noch nicht auseinandergesetzt habe. Mea culpa.
An unserer Schule haben wir die RSW als LRS-Material eingesetzt und da funktioniert es sehr gut. Es wird ebenfalls von den Förderschule dann im SI Bereich weitergeführt.
Ich selber habe vor vier Jahren nach Reichen gearbeitet mit guten Erfahrungen, habe mich aber diesmal aus Neugierde auf die ABC-Lernlamdschaft eingelassen. Ich bin begeistert. Die Kinder sind begeistert. Angereichert wird das ganze durch Übungen aus der RSW.
Du siehst Simon, dass das Konzept der RSW ohne Probleme integriert werden kann. Ich denke, dass dieses auch der ursprüngliche Ansatz war.
Das die RSW in der Literatur nicht auftaucht hat sicher den Grund, dass Herr Sommer-Stumpenhorst nicht in der Lehre und Forschung tätig ist. War noch im letzten Monat auf einer Fortbildung zum Thema LRS der dgls und dem gutschrift-Institut Dortmund. Dort waren unter anderen Herr Mey, Frau Valtin und ... anwesend.  Vieles hat eine Rolle gespielt, aber der Ansatz der RSW kam nicht drin vor.

Das auf die schnelle...

Euch ein schönes Wochenende
vorherige vorherige
 
Nächste Nächste
ForumForumUnterrichtUnterrichtRechtscheibwerk...Rechtscheibwerk...Spracherfahrungsansatz BrügelmannSpracherfahrungsansatz Brügelmann

RSS nutzen     Modulinhalt drucken    
Meist gelesene Beiträge minimieren
Bislang wurden 7389 Beitäge in 2041 Diskussionen erstellt.
Die meist gelesene Diskussion war Scheinwörter - unikale Morpheme
Die lebhafteste Diskussion war I-Dötzchen bzw. I-Männchen
  Modulinhalt drucken    
aktivste Benutzer minimieren
Die aktivsten Benutzer in unserem Forum sind:

BenutzerBeiträge
Norbert 929
ANNEK 737
Gerd_Kruetzmann 365
anonymous 349
Gabi 341
Graf_Ortho 295
Tommy43 274
jenny 213
CV 161
sost 153
rs.admin 97
Wolf1964 95
Ulliw 82
Birgit 77
borkum 68
   
© 1998-2017 N. Sommer-Stumpenhorst   Nutzungsbedingungen  Datenschutzerklärung