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 11.03.2009 16:03
 

Ich arbeite im vierten Jahr mit der Rechtschreibwerkstatt. Nun sind meine Schüler im  4. Schuljahr. Viele haben schon ein gutes Rechtschreibgespür entwickelt, sie abeiten in den Zimmern WZ und AF. Aber es gibt eben auch die anderen Schüler, die sich nicht gut konzentrieren können bzw. eine geringe Merkfähigkeit besitzen und sich immer noch im LV-Zimmer befinden. (Vorher haben sie schon in den Zimmern WA und WU gearbeitet.) Ich halte es aber für dringend notwendig, dass diese Schüler auch in  den Bereichen WZ und AF arbeiten, bevor sie die Grundschule verlassen. Sollen sie den Bereich LV einfach ruhen lassen und in den o.g. Zimmern weiterarbeiten? Bei zwei Schülern sind im Bereich LV nur sehr geringe Fortschritte festzustellen. Insbesondere beim freien Schreiben können sie die LV-Regeln nicht anwenden, auch nicht bei separater Rechtschreibkontrolle am nächsten Tag. Hat jemand noch Tipps für die LV-Arbeit (außer Sortierübungen, Wörterlisten, Abschreibtexte)?

Viele Grüße

Sophia

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 12.03.2009 22:33
 

Liebe Sophia,

  1. Grundlage für jedes Weiterlernen ist eine ausreichende Sicherheit in den Lernbereichen LB und LD. Darauf aufbauend dann die Kompetenz zur Textkorrektur auf der Lautebene. Von da an können die Kinder auf „eigenen Wegen“ durch die Zimmer der Rechtschreibwerkstatt gehen, WA/WU oder LV. Nach WU kann auch schon mit WZ begonnen werden. Ebenso spricht nichts gegen AF mit den Ausnahmen auf der Lautebene.
  2. Mit der Arbeit in einem Zimmer der Rechtschreibwerkstatt sollen die Kinder einen bestimmten Lernbereich so weit bearbeiten, dass dieser Lernbereich abgeschlossen werden kann. Die in einem bestimmten Zimmer vermittelten Kompetenzen sollen automatisiert werden, sodass diese zu einem sicheren Rechtschreibgespür werden.
    Damit ist nicht gemeint, dass die Kinder nicht auch parallel in verschiedenen Lernbereichen arbeiten und lernen.
  3. Ganz egal, welche Methode man verwendet kann es vorkommen, dass die Konzentration auf ein Lernfeld zu einer Lernblockade bei einem Kind führt. In solchen Fällen ist es immer sinnvoll, die Übungen in diesem Bereich zu unterbrechen und mit einem anderen Lernbereich fortzufahren.

Fazit:
Du kannst deinen Schüler durchaus in einem anderen Bereich üben lassen. Möglich ist WZ oder auch AF - ohne die unregelhaften Kennzeichnungen des langen bzw. kurzen Vokals (Dehnungs-h, Doppelvokal, i statt ie). Später würde ich die beiden Schüler den Lernbereich LV mit dem Computerprogramm „Ratten raten“ bearbeiten lassen.

Viele Grüße
Norbert

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 15.12.2011 16:25
 

Nach meiner Beobachtung funktioniert das Leben ganz anders. Es baut nicht stur erst die Füße und dann die Beine und dann erst Hintern und Bauch und kommt nie zu Herz und Kopf, weil es ständig die Füße und die Kniescheiben wiederholen muss.

Die Pädagogik schiebt die Kinde heute auf einer abstrakten Schiene, die sie selber nie bis zum Ende gegangen ist und folglich auch nicht kennt, vor sich her. Die ständigen Unglücke und Katstrophen, die dabei geschehen, lügt sie sich durch angelesene bzw. amtliche vorgeschriebene Schablonen zurecht. Die ernüchternde Bilanz von über 30 Jahren Legasthenieförderung (nach dem KMK-Beschluss vom April 1978) ist mehr als eine Verdoppelung der Rechtschreibfehler.

In früheren Zeiten band man die Ziege an einen Pflock und wusste, dass sie bei einem 5-Meter-Seil im Radius von 5 Metern Gras fressen kann. Heute ist alles "vernetzt". Die "Rechtschreibziege" hat man an mindestens 10 Pflöcke gebunden, in dem Wahn, da hätte sie 50 Meter Radius. Da man alles nur noch aus dem Vorschriftenbuch kennt, hat man noch nie eine echte Ziege gesehen und merkt nicht, dass man Ziegen so stranguliert.

Als Ich-kann-Schule-Lehrer habe ich Respekt vor einem Beispiel wie dem der verst. Kollegin H.Prem. Mit ihrem kleinen Buch "Vergnügte Ballonfahrt ins Leseland" haben zahlreiche Kinder, bei denen die Schule total versagt hatte, zu Hause mit der Mama noch richtig lesen und schreiben gelernt. Frau Prems Kinder lernten nicht in 1 1/2 Jahren sondern in einem halben Jahr RICHTIG lesen und schreiben. Dafür waren nicht einmal Hausaufgaben nötig. Die Kinder waren begeistert, sie machten alle KEINE Fehler. Ein Vater schrieb Frau Prem mal, wie seine 5-jährige Tochter mit der Prem-Methode in zwei Stunden lesen gelernt hat. All das affige Getue, das heute so schreiend modern ist, kam bei H.Prem nicht vor. Nach einem Schulversuch mit 70 Lehrern aus Bayern,Österreich und Hessen bekundeten alle Lehrer, das sei das erste stressfreie Schuljahr ihrer Laufbahn gewesen und sie würden die Prem-Methode beibehalten.

Als Ich-kann-Schule-Lehrer verwundert es mich schon einmal, dass die Pädagogik immer noch von der Illusion ausgeht, dass die Sprache erworben werden müsste und das ausgerechnet auch noch bei ihr. Selbst die sog. mustitischen Kinder sind im Besitz von Sprache, wenn sie in die Schule kommen. Dort wäre es allerdings für sie interssant und hilfreich, gute Vorbilder für Sprachentwicklung und -pflege und für menschliche Entwicklung zu bekommen. Genau das können und tun Lehrer aber am allerwenigsten; die meisten können zwar den Lehrplan vollziehen aber sich selbst entwickeln können sie nicht. Von wem also sollen Kinder abschauen, wie man sich entwickelt??? Wie soll man von jemand, der nur Worte von sich gibt aber neimand erreicht, mit Sprache kommunizieren lernen?

Um ein Lehrer zu sein und als solcher zu wirken, muss man erst einmal selbst Interesse am Lernen haben. Lernen kommt von germ. "laisti = die Fährte" und bedeutet "eine Fährte verfolgen, Erfahrungen sammeln". Wenn dich die Erfahrungen auf deinen Fährten so faszinieren, dass andere neugierig werden und dir von sich aus folgen wollen, dann erst bist du Lehrer.

Wenn du Kinder bloß in vorgefertigte Schablonen stecken willst, bist du Schabloneur aber nicht Lehrer.

Wie steht es um das ICH KANN der Talente deiner Schüler? Ist es stark? Fühlt es sich glücklich? Weiß es, wodurch es wächst? Wie souverän wurden die Talente deiner Schüler bei dir? Wie hat sich deine Souveränität entwickelt? Hast du die Talente so gestärkt, dass sie dir Kraft zurückgeben?

Freundlich grüßt

Franz Josef Neffe

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 16.12.2011 16:35
 

Hallo Herr Neffe,

ich habe mir jetzt mehrmals Ihren Beitrag hier im Forum durchgelesen, Ihre Internetseite durchsucht, den Videobeitrag aus dem Fernsehen angeschaut und ich kann für mich keinen Zusammenhang finden. Insbesondere nicht in Bezug auf den Beitrag, auf den Sie geantwortet haben. Ich kann in Ihren Texten viele verschiedene Lebensweisheiten finden, die sich aneinanderreihen und für mich ein ganz bestimmtes Gefühl ausdrücken. Es ist viel von Lehrerschelte dabei, von einer pauschalen Einschätzung, alle machen es falsch, unseren Kindern geht es schlecht in der Schule, Lehrer sind verbockt und haben keine Ahnung...

Ich kann es nicht verstehen, dass Sie von einer eigenen Kann-Schule sprechen und dann hier und an anderen Stellen einzig über eine defizit-orientierte Argumentation das System Schule zu verbessern versuchen. Ich kann leider auch keine Ansätze bei Ihnen finden, mit denen sich die von Ihnen so negativ beschriebenen Systeme auf den Weg machen könnten.

Ich kann aber auch ehrlich gesagt Ihre negative Sicht auf Schule nicht verstehen. Ich erlebe in Fortbildungen, Prüfungen und selber als Schulleiter viele Systeme, die ihre Kinder individuell auf ihren Lernwegen unterstützen, den Kinder Erfolge ermöglichen und mit ihnen zusammen tolle Ergebnisse erzielen. Dabei werden Kinder in ihrer Entwicklung bestärkt und weiter begleitet. Natürlich gibt es auch immer wieder Brüche und Schwierigkeiten. Die meisten Schwierigkeiten entstehen aus meiner Sicht in der persönlichen Beziehung zwischen dem Lehrer und dem Kind. Es geht bei der Suche nach einer förderlichen Schule nicht um irgendwelche Plaketten, Auszeichnungen und Hochglanzbroschüren, auch nicht auf Verweise auf eigene Bücher und Internetseiten, sondern um die persönliche Bindung eines jeden einzelnen Kindes zu seinem Lehrer. Und deswegen halte ich den Lehrberuf in der Grundschule mit für den wichtigsten und verantwortungsvollsten Beruf im Schulsystem. Und hier ist der einzige für mich wichtige Punkt, den ich in Ihren Ausführungen wiederfinde:  Die Orientierung an den Stärken "Ich kann". Aber mal ganz ehrlich, so neu ist diese Erkenntnis der Stärkenorientierung nun auch nicht und an den meisten Schulen doch schon sehr verbreitet.

Ich kann und möchte nun noch den Bogen zur obigen Frage und der Antwort schlagen. Wenn Kinder individuell in eigenen Lernwegen arbeiten, können Sie direkt und auf Umwegen, je nach Motivation an Stärken und neuen Lernaufgaben arbeiten. Immer ausgehend von der Frage, was habe ich schon erreicht (Ich kann!) und was ist mein nächstes Lernziel. In diesem Sinne ist die Rechtschreibwerkstatt eine ideale Möglichkeit, aufbauend auf den Stärken der Kinder eine Lernberatung und -begleitung hin zu einer normgerechten Schrift anzubieten. Wenn Kinder dann zwischen den Lernbereichen wechseln (können) und nicht auf Seite 35 im Sprachbuch mit allen anderen zusammen arbeiten müssen, kann man von einer Ich-kann-Schule sprechen. Mit einem klaren und transparenten Konzept, mit einer Idee der individuellen Lernwege und Förderung und mit einer Stärkung der einzelnen Persönlichkeit. Und das begleitet dann ein guter Pädagoge, der sein Handwerk versteht.

Ich kann nur hoffen, dass vielen Kindern dies ermöglicht wird. Wir haben ja bald Weihnachten und da darf man sich doch etwas wünschen... Ich habe schon etwas!

 

Schöne Grüße aus Münster

Gerd


Meine Hansajolle Flyt im Netz

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 18.12.2011 22:13
 

Danke für die vitale Retourkutsche, lieber Bernd Kruetzmann!

Es ging ja darum, schwachen Schülern zu einer guten Entwicklung zu verhelfen. Da wollen wir doch nicht übersehen, dass Lehrer auch Menschen sind und als solche auch 24 Stunden am Tag Gelegenheit haben, Fehler zu machen. Mir liegt sehr am Herzen, dass man darüber offen reden darf, ohne gleich eine "negative Sicht auf Schule" unterstellt zu bekommen. Lat. "negare" heißt "nein sagen" und ich sage keineswegs nein zu Schule. Ich habe doch sehr deutlich JA zu Schule gesagt und möchte aber auch Schule in der Schule erleben.

Ich habe auch nirgends gesagt, dass alle Lehrer alles falsch machen, aber dennoch gibt es einige Dinge, die in der gesamten Pädagogik grundsätzlich verkehrt laufen. Wem wäre genützt, wenn ich das unter den Teppich kehre? Und wenn ich schon - wie Sie offenbar auch - erlebt habe, dass es anders geht, warum sollte ich das nicht sagen? Um mich selber geht es dabei zuletzt. Es geht um Sachverhalte, die jeder prüfen kann - oder auch nicht. Ich bin nicht daran interessiert, dass jemand die IKS vollzieht wie einen KM-Erlass. Ich zeige nur an Beispielen - wie Sie ja auch - dass man Probleme lösen kann.

Nach meiner Erfahrung kann man in jeder Sitzordnung und Sozialform lernen. Das Wichtigste an der Änderung der alten Bankreihen waren aber nicht die neuen Gruppentische sondern dass endlich einmal ETWAS ANDERES passiert ist. Die Ermöglichung der Änderung war der Fortschritt, nicht die Festschreibung der "erkämpften neuen Errungenschaften".

Die Ich-kann-Schule ist kein Haus. Der Mensch lernt nicht in Häusern, er lernt IN SICH und im Leben. Jeder Mensch ist mit allem begabt, was es zum Lernen braucht. Wir müssen ihm nicht - wie es z.B. die bayer. Verfassung verlangt - "Wissen und Können vermitteln", damit ist er bereits begabt. Die Aufgabe der Pädagogen wäre, diese originalen Begabungen zu ent-decken und zum Wachsen zu bringen. Ich freue mich, dass auch Sie großes Interesse daran haben. Und man darf - und sollte - als Lehrer durchaus dabei auch ein Vorbild sein und nicht bloß ein "Lernbegleiter", der selber vieles noch gar nicht praktisch gemacht hat, was die Kinder tun sollen. Und noch etwas meine ich: Ein Lehrer sollte Interesse haben gerade an den geschwächten und (noch) nicht voll entwickelten Kräften & Talenten und ihrer guten Entwicklung und er sollte dies achtsam zeigen. Meine schönsten Erlebnisse mit Kindern waren stets, wenn sie erkannten: "Ich kann es besser als ich gedacht habe." - und wir haben nie ein besseres Ergebnis angestrebt, um damit den Lehrer vom Vorjahr zu blamieren. Aber würde es einem schaden, wenn er ggf. mit uns was draus lernt?

Ich selbst habe in der Grundschule viele Schlüsselerlebnisse gehabt und stimme Ihnen voll zu, dass da die wichtigsten Weichenstellungen stattfinden. Die Beziehung zwischen Lehrer und Kind ist von größter Bedeutung, ja, ich würde noch ergänzen: die Beziehung des Lehrers zu den Talenten des Kindes, besonders den noch nicht voll entwickelten. Ich behaupte ja: "Wenn ich mit deinen Kräften BESSER umgehe als du, mögen sie mich und folgen mir lieber als dir." und meine, man sollte als Lehrer sich doch den Genuss gönnen, mit den Talenten seiner Schüler besonders gut umzugehen. Gelernt habe ich dies übrigens vor über 10 Jahren von einem 7jährigen Mädchen, das von seiner Lehrerin täglich vor der Klasse blamiert wurde. Das Kind verzieh seiner Lehrerin und schickte ihr im Geiste alles, was ihr zum Gutsein fehlte. Das änderte die Atmosphäre - und die Lehrerin. Eine echte Lösung ist es, wenn es am Ende ALLEN gut geht - das ist auch ein IKS-Prinzip. Es geht nicht um Lehrerschelte, es geht darum, Dinge beim Namen zu nennen und eine echte Lösung zu finden. Ich weiß am Anfang auch nicht immer, wie es geht, aber ich glaube, dass es immer möglich ist.

Ich freue mich sehr über Ihr Engagement und wünsche Ihnen frohe Weihnachten.

Franz Josef Neffe

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