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 08.03.2009 21:47
 
 bearbeitet durch ANNEK  am 08.03.2009 21:51:31
Liebe Leser,

es gibt so ein paar Ecken in der RSW, die ich für mich selbst noch nicht geklärt habe. Aber jetzt kann ich stolz verkünden, dass ich aus einer Ecke eine Rundung machen konnte, die sich geschmeidig in mein Wissen einfügt.
Es handelt sich um das vokalische r. Ich konnte mit diesem r nicht sonderlich viel anfangen, die Schüler vergaßen es auch sehr selten beim Schreiben, sodass es selten thematisiert wurde. Eine Ausnahme bildete die Übung "lange und kurze Vokale unterscheiden - Bildkartei sortieren bzw. das Aussortieren der Stufe 16 im MWS".
Ich wunderte mich immer wieder, dass bei Schülern die Karten ganz selten mit korrekter Lösung aufgingen. Es blieb immer ein kleiner Rest. Da ich jetzt eine Fördergruppe habe, die sich und mir Zeit gibt, beobachtete ich das Aussortieren genauer: Es waren immer wieder die Wörter übrig, die folgendes Bildungsmuster aufwiesen: kurzer Vokal + Konsonant  + Konsonant! (In der Bildkartei LV müssten es die Wörter Arm, Kerze, Herz, Werk, Sterne, Perle, Hirsch, Schirm, Kirsche, Kirche, Wort, Torte, Storch, Ort, Orgel, Korb, Gurke, Wurst, Wurm, Würfel und Turm sein.)
Ich schnappte mir jene Karten und wollte die Lösung abspulen, weil ich glaubte, dass die jungen Leute "nur" nicht differenziert genug gesprochen hätten. Aber auch mir gelang die Lösung nur, weil ich bereits um die Rechtschreibregel wusste!

Das machte mich neugierig. Ich suchte bei Norbert (u. a. in LD02 / A4), aber auch dort verstand ich die Lösung nicht so, dass es hilfreich für mich war. Die Zeilen waren zu abstrakt. Also suchte ich weiter. Und nun habe ich genau die Lösung gefunden, die in meinem Verständnis gefehlt hat. Vielleicht sind andere auch schon in dieser Form über das vokalische r gestolpert, daher stelle ich einen Lösungsansatz und meine Schlussfolgerung hier dar:
Als Quelle dient mir eine Arbeit von Friederike Kleinknecht, die über das "R und die R-Vokalisierung" eine Arbeit geschrieben hat, 2006, München, GRIN Verlag.
Beim Sprechen merken wir, dass in den o. g. Wörtern das r sehr reduziert ausgesprochen wird. Zitat, S. 15: "Immer vorhandener Begleiter des R-Schwundes [nach Kurzvokal; bei Langvokalen ist die Dehnung ja schon gegeben] ist die Länge des vorhergehenden Vokals. Es handelt sich hier um eine Art ´Ersatzdehnung´, die (...) gewissermaßen einen quantitativen Ausgleich zum Verlust eines Phonems darstellt." (König 1989:82). Kurzvokale werden also zu Langvokalen, und das umso mehr, je weiter der R-Laut reduziert wird."

Da wir also beim Sprechen in dieser Konstellation das r (sehr) reduziert aussprechen, gibt es einen Phonemverlust. Der Ausgleich dazu ist die Dehnung des vorhergehenden Vokals, der eigentlich ein kurzer Vokal ist. Das, was der verdoppelte Konsonant also für den Vokal ist (§2 Amt. Regelung) ist, ist das vokalische r für den vorhergehenden Vokal. Das r zeigt an, dass der vorhergehende Vokal gedehnt werden muss, obwohl er als kurzer Vokal gekennzeichnet wird! (Was für eine Hürde für einen Ausländer!)

Unsere Kinder suchen also in diesen Beispielen vergeblich nach einem hörbar kurzen Vokal! Sie nehmen eine Dehnung vor, die sie eher zu der Lösung führt, einen langen Vokal vor sich zu haben.
Und hier fügt sich auch Norberts Literatur sehr gut ein (LD02 / A4): "Aus Vokal und r wird ein Diphthong..." Und da sind wir uns wieder einig: Doppelkonsonant nach Diphthong?

Ich möchte folgende Schlussfolgerung einbringen: Diese o. g. Wörter gehören entweder nur besonders gekennzeichnet (Spürnasenaufgabe) oder gar nicht in die Bildkartei LV, damit die Kinder zu einer eindeutigen Lösung, zum Erfolg kommen. Gerade in der Gegenüberstellung ("Sprich das Wort mit betont langem und betont kurzem Vokal. Entscheide - wie klingt es richtig - kurz oder lang.") gerate ich als Sprecherin und Hörerin an meine Grenzen. (Das i ist wahrscheinlich in dieser Kombination noch am besten zu differenzieren.)

Nachdem wir diese o. g. Wörter herausgefunden hatten, legten wir sie an die Seite. Und siehe da, wer bereits in Bezug auf die Vokallänge differenziert Sprechen, Hören... konnte, der kam auch bei der Bildkartei auf ganz wenige oder gar keine Fehler.

Mit herzlichen Grüßen - und einer Ecke weniger -

Anne
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