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 10.11.2008 17:02
 
 bearbeitet durch sost  am 11.11.2008 19:40:36
Liebe Leser,

vor den Prüfungen geben wir unseren Schüler immer noch einmal Gelegenheit, ihre Korrekturkompetenz auszubauen, um den Aufschrei nach der Prüfung ("Ich habe Punkte verloren, nur weil ich nicht wusste, wie man ... schreibt!) einzudämmen.
Dabei fiel mir immer wieder der Zusammenhang zwischen dem richtigen Schreiben und der Korrektur auf. Jetzt habe ich einmal die Zahlen in den Analysetexten (z. B. Bereich WA) mit den Zahlen der gefunden Korrekturfälle (auch in WA) nach einem Korrektur-Test gegenübergestellt: Je mehr Fehler die Schüler in Analysetexten (Arbeiten, HA usw.) machen, desto weniger Fehler fanden sie in der Korrektur.
Meine Mathematikkollegin verriet mir, dass diese Zahlenzusammenhänge mit "umgekehrt proportional" zusammengefasst werden könnten.

Daher bietet sich die intensive Korrektur (in einem Bereich bzw. in allen) tatsächlich erst dann an, wenn auch bereits vorher ein niedriger Fehlerwert dokumentiert wurde. Diesen Zusammenhang stellt Norbert in seinen Fortbildungen immer dar, wenn es darum geht, einen Lernbereich über die Korrektur bzw. die Rumpelkammer abzuschließen.

Kollegen beklagen sich sehr oft, dass Schüler sehr nachlässig korrigieren, Zeit nicht intensiv nutzen usw. Einerseits fehlt die korrekte Technikausführung, andererseits können die jungen Leute auch nur wenige / keine Fehler finden, weil sie genau diesen Bereich noch nicht weitgehend abgeschlossen haben!

Würde man mich in einen botanischen Garten schicken, würde ich die Benennung der Pflanzen nie anzweifeln, weil ich gar keine Ahnung habe. Zweifel (Etymologie: Ungewissheit bei zweifacher Möglichkeit!) werden eben auch erst wach, wenn man schon etwas weiß. Wir können also unsere Schüler in aller Ruhe mit Duden, Wahrig und Co versorgen: Sie werden die Werke erst brauchen, wenn sie "nur" noch Zweifel hegen. Alle anderen können den Schatz an ihrer Seite noch nicht schätzen.

Für die Praxis der Prüfungsvorbereitungen heißt das, dass wir mit unseren jungen Leuten noch einmal intensiv an ihren Vorstellungen zu den Rechtschreibprinzipien arbeiten müssen. Nur für die, die bereits eine klare Vorstellung haben, wie Wörter geschrieben, Zeichen gesetzt werden..., lohnt sich auch die Korrektur.

Es ist interessant, den Schülern diese Zusammenhänge / Zahlenreihen aufzuzeigen.

Mit herzlichen Grüßen

Anne
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 11.11.2008 19:14
 

Liebe Anne,

deine Beobachtung rsp. deine Untersuchung ist hochinteressant und ich bin immer wieder beeindruckt, wie deine Sinne für solche Beobachtungen geschärft sind. Das was du beobachtest und dann mit Zahlen zu belegen versuchst, ist exzellente Unterrichtsforschung. Kannst du mir hier konkrete Zahlen zur Verfügung stellen? Deine Ergebnisse könnten ein guter Anlass für eine Examens- oder Diplomarbeit sein.

Genau darum geht es beim Lernen: Erst das Gespür, dann das Wissen und erst dann die Nutzung des Wissens in der Textkorrektur. Die Einübung in die verschiedenen Techniken der Textkorrektur machen erst dann einen Sinn, wenn das Gespür für diesen Lernbereich gelegt ist.

Die Schlussfolgerungen aus deiner Beobachtung rsp. Untersuchung gehen weit über die Rechtschreibwerkstatt hinaus und bestätigt Ergebnisse der neurobiologischen Forschung. Manfred Spitzer schreibt sinngemäß: „Das Wissen folgt dem Können.“ Das stellt Unterrichtsformen, die auf reine Wissensvermittlung ausgelegt sind, grundlegend in Frage.

Vielen Dank für die Schilderung deiner Beobachtungen hier im Forum

Norbert

neuer Beitrag
 31.10.2010 11:35
 
 bearbeitet durch ANNEK  am 31.10.2010 12:40:06

Lieber Norbert,

auf unserer letzten Tagung ist die veränderte Korrekturkarte vorgestellt worden, die ich mir jetzt unter die Lupe genommen habe. Im Vergleich zur alten Karte und bei der Anwendung der neuen habe ich drei Anmerkungen zu machen.

Ich bin begeistert, dass die Korrektur jetzt auch auf der Karte die einzelnen Korrekturabschnitte widerspiegelt, die die Kinder (und wir Erwachsenen) auch bei der qualitativen Analyse im Blick haben.

Die erste Erfahrung, die Kinder - auch in der Sek. I - mit der Korrektur machen, ist die, dass die Korrektur Zeit bindet! Schaut man sich die Anzahl der Korrekturfelder an, ist spätestens jetzt jedem Schüler klar, dass viel Arbeit ansteht. Das überrascht die Schüler sehr, haben sie doch - noch ohne Korrekturerfahrung - Korrigieren mit Lesen gleichgesetzt.

1

Während auf der ersten Korrrekturkarte (KK) eher die zerlegten Arbeitsschritte (Strategien) zur Korrektur aufgelistet worden sind, liegen auf der neuen KK "nur" die Felder vor, die "abgearbeitet" werden können. Das halte ich jedoch für absolut sinnvoll, da die Kinder bis dahin schon wissen sollten, wie sie die einzelnen möglichen Schwierigkeiten korrigieren. (Es wäre auch möglich, bei diesem Schritt  mit der alten Karte zu arbeiten, da diese differenzierter ausfällt.)

Leider fehlt auf der neuen KK ein wichtiger Lernbereich: SW, der jedoch in den qualitativen Analysen prall gefüllt ist, da hier sowohl die Schreibung das(s) als auch die Nominalisierungen erfasst werden. Ausgerechnet dieser sensible Bereich fehlt auf der neuen Karte.

Warum? Es muss hier ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, da alle anderen Lernbereiche ja auch vorhanden sind.

2

Die Reihenfolge der Korrektur unterstütze ich in folgenden Punkten: Die gelbe Seite (Lautdetektive) erfasst UW-LD. Die Schritte sind absolut sinnvoll, da es zunächst um das Lesen und Verstehen geht, während anschließend die Lernbereiche UW-LD korrigiert werden. Die Aufmerksamkeit an dieser Stelle bereits / nur auf die / den Lernbereich(e) zu legen, auf die der Lektor besonders achtet, siehe alte KK, ist nicht hilfreich, da diese individuelle Angabe auch zu einem späteren Lernbereich gehören könnte.

Auf der blau-grünen (Rück)Seite - Wieso heißt diese Seite nur Wortdetektive, wenn es doch auch um den Satz geht? Graf Ortho sollte sich daran gewöhnen, dass das Oberstübchen jetzt auch erfolgreich ausgebaut worden ist. - schließen sich - mit der oben genannten Ausnahme - die "restlichen" Lernbereich an. Diese sind jedoch noch einmal in obere und untere Gruppe unterteilt. Ich vermute mal, dass sich dahinter die satz(un)abhängige Schreibung verbergen soll, oder? Ich weiß nicht, ob diese Unterteilung notwendig ist, da WZ sowohl in den oberen als auch in den unteren Bereich (bergsteigen / Wir wollen heute auf diesen Berg steigen...) gehören kann.

Nach meiner Erfahrung ist die Reihenfolge SA / SZ absolut wichtig, um überhaupt erst einmal den nächsten Abschnitt, den ich korrigiere, zu kennzeichnen. Damit meine ich, dass ich immer empfehle, die Satzschlusszeichen zu setzen, um Anfang und Ende einer Einheit zu dokumentieren.  

Innerhalb dieser Einheit gehen die Kinder jetzt zu den auf der Karte genannten Bereichen über. Der WZ-Bereich ist zu kurz gefasst, da es nicht nur um die Zerlegung der zusammengesetzten Wörter geht. Hier sollte ein anderer schlagkräftiger Korrekturauftrag gefunden werden, um an die fehlende Getrennt- bzw. Zusammenschreibung zuerinnern  zu erinnern. 

In der Praxis habe ich bemerkt, dass es sich anbietet, die Satzmittezeichen mit (zeitlichem) Abstand - sogar am Schluss der Korrektur -  zu setzen. Je mehr Distanz die Kinder haben, um so eher fällt ihnen diese fehlende Gliederung auf.   

3

Meine letzte Anmerkung bezieht sich auf die Kantenecke, die signalisiert: Ich habe diese Einheit überprüft. Arbeitet man mit Folienstiften, dann sieht diese Kante sehr bald unschön aus, da der Folienstift die schlechte Angewohnheit hat, seine Farbe nicht nur auf der zu bearbeitenden Folie, sondern auch an dem Kartenrand zu hinterlassen.

Immer öfter - auch aus finanziellen Gründen - greifen die Schüler zu einem Lineal / Geodreieck, das sie senkrecht anlegen, um ihren Wort- und Satzfortschritt zu markieren. Die Lineale lassen sich gut abwischen - fertig ist der Lack!

Dennoch ist die Karte ein absolut hilfreiches Korrekturmittel, um der Korrektur die Beliebigkeit zu nehmen. Ein Zahn, der den Kindern immer leichter gezogen wird, je eher sie damit vertraut gemacht werden.

 

Mit herzlichen Sonntagsgrüßen

ANNEK 

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