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 22.11.2009 16:33
 

Lieber Norbert,

bis jetzt haben meine Schüler alle Texte zur Analyse ohne ein Wörterbuch geschrieben. Hatte jemand einen Wunsch, ein Wörterbuch zu benutzen, gab ich die Empfehlung, die interessante Stelle lediglich zu markieren.

Inzwischen habe ich aber der WB-Arbeit viel Platz eingeräumt und ich mache immer öfter die Erfahrung, dass das Kontrollbedürfnis mit dem WB nach dem Schreiben der Texte sehr groß ist.

Sicherlich würden die Schüler auch Wörter nachsehen, deren Schreibung herzuleiten (Kenntnis der Rechtschreibprinzipien) gewesen wäre. Mit großer Wahrscheinlichkeit würden sie jedoch Ausnahmeschreibungen bzw. Fremdwörter nachsehen wollen, da ihnen ja nur die wichtigsten speziellen Laut-Buchstaben-Zuordnungen bekannt sind, die sie sicherlich auch nicht alle "vorrätig" haben.

Was spricht also in dieser Phase gegen die Benutzung eines Wörterbuches?

Sicherlich würde damit auch die Korrekturkompetenz mit auf dem Prüfstand stehen, aber warum auch nicht?

Wenn alle in die WB-Arbeit eingewiesen worden sind, alle Zeit zum Training hatten, allen ein WB vorliegt, schreiben auch wieder alle unter den gleichen Bedingungen, nicht wahr?

Somit hätten auch alle die Chance!!!, zu besseren Ergebnissen zu kommen.

Also, welche Argumente gibt es, die gegen den Einsatz eines WB zur Textanalyse sprechen?

 

Liebe Grüße

 

Anne

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 22.11.2009 22:48
 
Hallo Annek,

die Frage der Benutzung von Wörterbüchern kommt auch bei mir und bei Fortbildungen immer wieder. Was mir bei deinen Ausführungen nicht klar wird, ist der Zeitpunkt der Benutzung. Du beschreibst "alle Texte zur Analyse" bzw. "Textanalyse". Meinst du damit den alltäglichen Gebrauch oder Situationen zur Leistungsbewertung?

Bei der Leistungsbewertung würde ich auf die Benutzung der Wörterbücher verzichten. Ich möchte schließlich herausfinden, an welchem Punkt auf dem Weg zur Rechtschreibkompetenz sich die Kinder befinden. Die Kompetenz zur Korrektur fließt in die Rechtschreibkomoetenz natürlich mit ein, wird von mir aber nicht in einem Diagnosediktat mit beachtet. Wie willst du das auch leisten? Woran willst du da eine Bewertung festmachen? Das kannst du meiner Meinung nach nur durch die (subjektive) Beobachtung im Unterrichtsprozess bewerkstelligen.

Im Übrigen wäre mir dann egal, ob alle in die Arbeit mit dem Wörterbuch eingewiesen sind. Noten werden nicht auf der vergleichenden Ebene aller Kinder einer Klasse gegeben, sondern individuell, oder? ;-)

Schöne Grüße aus Münster
Gerd

Meine Hansajolle Flyt im Netz

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 23.11.2009 16:14
 

   
Hallo Gerd,

ich rede von der Benutzung eines WB in der Korrekturphase eines Analysetextes (Diagnose für die Sekundarstufe).

Genau diese Situation habe ich heute wieder erlebt: Die Schüler wollten ein WB für die Diagnosetexte benutzen. Hier geht es in keinem Fall um die Leistungsbewertung. Es ist ja gerade umgekehrt: Für die Leistungsbewertung lasse ich immer ein WB zu!

 

Herzliche Grüße

Anne

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 23.11.2009 22:38
 
 bearbeitet durch sost  am 23.11.2009 23:58:46

Liebe Anne, lieber Gerd,

die Rechtschreibkompetenz setzt sich zusammen aus:
§         dem Rechtschreibgespür, (Das zeigen die Kinder bei jedem Text, den sie schreiben.)
§         dem Rechtschreibwissen (Das zeigen die Kinder beim Aussortieren der Rumpelkammer und dann, wenn sie gemeinsam über die Rechtschreibung nachdenken.)
§         der Korrekturkompetenz (Das zeigen die Kinder bei der Überarbeitung von Texten. Voraussetzung hierfür ist Rechtschreibwissen, das bei der Korrekturkompetenz ebenfalls erfasst wird.)
 
Die Arbeit mit dem Wörterbuch ist ein Teil der Korrekturkompetenz. Die Frage ist demnach, wann kann dieser Lernschritt (Umgang mit einem Wörterbuch) sinnvoll von den Kindern bearbeitet werden?
 
Ein Kind kann ein Wort in einem Wörterbuch nachschlagen, wenn es beim Schreiben oder bei der Korrektur angemessen verunsichert ist. Am Anfang des Lernprozesses sind die Kinder bei jedem Wort unsicher. Hier macht ein Wörterbuch keinen Sinn, da die Kinder in dieser Phase fast jedes Wort nachschlagen müssten. „Angemessene Verunsicherung“ setzt Sicherheit voraus. Wann also hat ein Kind genügend Sicherheit, um sinnvoll das Wörterbuch benutzen zu können?
 
Der „richtige“ Zeitpunkt hängt von der Korrekturkompetenz der Kinder ab. Hier setze ich den Kindern Teilziele:
1.      Als Lautdetektiv darfst du bei der Textkorrektur die Korrekturkarte (und Korrekturtechnik) einsetzen. Lautdetektiv kannst du werden, wenn du bei mindestens drei Übungstexten zur Lautkorrektur auf Anhieb alle Verschreibungen findest.
2.      Das Wörterbuch darfst du benutzen, wenn du ein Wörterbuchexperte bist. Das kannst du werden, wenn du die Arbeitsblätter zur Benutzen von Wörterbüchern bearbeitet hast und nachgewiesen hast, dass du in deinen eigenen Texten „Rumpelkammerwörter“ markieren kannst.
3.      Wortdetektiv kannst du werden, wenn du die Korrekturtechnik in den Lernbereichen LV, WA/WU bzw. WZ einsetzen kannst.
 
An welcher Stelle die Wörterbuchkompetenz den Kindern vermittelt wird mache ich vor allem davon abhängig, wie die Kinder mit den Rumpelkammerwörtern umgehen. Kinder die hier eine hohe Sicherheit beim Finden von Rumpelkammerwörtern in den eigenen Texten besitzen, können in der Regel auch das Wörterbuch sinnvoll nutzen. Dann biete ich Ihnen die Übungen an, um Wörterbuchexperte zu werden.
 
Noch ein Wort an Anne: In der Sekundarstufe mag es möglich sein (?), mit allen Kindern die Arbeit mit dem Wörterbuch einzuführen, weil die Kinder die Voraussetzungen für die Wörterbucharbeit (siehe oben) erfüllen. In der Grundschule ist der Zeitpunkt jedoch von Kind zu Kind verschieden. Hier wird man sehr viel differenzierter vorgehen.
 
Noch ein Wort zur Bewertung: Wenn ich die Rechtschreibkompetenz eines Kindes bewerten soll, dann gehören alle drei Bereiche dazu. Hier stimme ich Anne ausdrücklich zu: Bei Klassenarbeiten zur Bewertung der Rechtschreibleistung gehört das Wörterbuch auf den Tisch, wenn das Kind zuvor gelernt hat, dieses angemessen einzusetzen.
 
Viele Grüße
Norbert
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 24.11.2009 15:57
 
 bearbeitet durch ANNEK  am 24.11.2009 16:59:36

   

Lieber Norbert,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

In meiner letzten Analyserunde haben die Kinder erneut die Stellen / Wörter markiert, die sie gerne nachgeschlagen hätten. Das klappte wirklich gut. Ich habe für mich mal die Anzahl der Wörter zusammengestellt, die nicht normgerecht geschrieben waren. Daneben habe ich die Anzahl der Wörter aufgenommen, die sie gerne nachgeschlagen hätten. Kernaussage: Der Wunsch, mit einem Wörterbuch bei den Diagnosetexten zu kontrollieren, nimmt mit sinkender Fehlerzahl ab! (Es gibt auch "Ausreißer", die übervorsichtig sind, die - obwohl so wenige Fehler im Text - gerne mehr Wörter nachgeschlagen hätten.)

Die Schüler, bei denen sich die Anzahl der nicht normgerechten Wörter und die Anzahl der Nachschlagewörter annähert, die sind auf dem besten Wege, ihre Fehlerquotienten deutlich nach unten zu drücken.

Schüler, die sehr viele Wörter nicht normgerecht geschrieben haben, haben in der Regel - verständlich!!! - ein weitaus geringeres Interesse, mit dem WB zu arbeiten. Hier sind vorher andere Stufen zu sichern, um anschließend nur die "letzten" Unsicherheiten nachzuschlagen.

Ich habe übrigens einen größeren Durchbruch mit dem WB erzielt, nachdem wir intensiv an den Abkürzungen gearbeitet hatten.

Nun, dann ist meine Frage geklärt: Jetzt kann bei den Analysetexten ein WB zur Kontrolle eingesetzt werden. Jetzt schließt sich für mich eine große Lücke.

 

Herzlichen Dank!

 

Anne

neuer Beitrag
 24.11.2009 16:26
 
 bearbeitet durch Gerd_Kruetzmann  am 24.11.2009 17:27:00
Hallo Anne,
hallo Norbert,

(ich hoffe, ich kriege meine Überlegungen noch einmal so hin, leider hat das Forum meinen ersten Versuch gelöscht)

herzlichen Dank für eure Rückmeldungen. Das zeigt mir mal wieder, wie wenig Gedanken wir uns über den Sinn (und Unsinn) bei der Benutzung von Wörterbüchern machen. In der Regel führen wir die Bücher ziemlich schnell in der Grundschule ein, weil die Kinder es wollen, weil die Eltern es wollen, und weil das einfache Suchen noch Wörtern ja auch ziemlich schnell klappt.

Zuerst möchte ich aber eine Hinweis zu meinem ersten Beitrag machen. Man könnte es so lesen, dass ich die Nutzung von Diagnosediktaten zur Leistungsbewertung befürworten würde. Dies ist natürlich nicht der Fall. Wichtig für mich bei einer Diagnose ist festzustellen, welche Kompetenzen ein Kind erlangt hat und was der nächste Lernschritt für das Kind ist. Dies ist aber schon sehr nah an der Formulierung zur Leistungsbewertung im Lehrplan Deutsch in NRW und das war mein Gedankenfehler:

"Richtig schreiben
• die Feststellung, an welcher Stelle auf dem Weg zur normgerechten Schreibung
die Schülerinnen und Schüler steht; Grundlage sind die eigenen Texte der
Schülerinnen und Schüler,..."

Wenn Kinder nun, wie Norbert oben beschrieben hat, die Verwendung des Wörterbuches gelernt haben und wie bei Anne in der Diagnose benutzen, hat das Auswirkungen auf die Analyse. Kinder finden mit Hilfe des Wörterbuches einige Verschreibungen. Gebe ich ihnen viel Zeit, finden sie vielleicht fast alle Verschreibungen, wenn sie (unsinnigerweise) Wort für Wort abarbeiten. Dann macht aber die Diagnose keinen Sinn mehr, da ich die Kinder unter Umständen in einem völlig ungeeigneten Lernbereich arbeiten lasse. Der Vergleich hinkt etwas: Aber eigentlich wäre es so wie bei einer Durchführung des Bild-Wort-Testes mit Benutzung des Anlautlineals. Deswegen würde ich die Wörterbücher bei der Diagnose außen vor lassen.

Kinder sollen auf jeden Fall die Benutzung eines Wörterbuches kennen lernen. Die Benutzung macht aber erst dann Sinn, wenn die Kinder bereits etliche Kenntnisse zur Rechtschreibung erworben haben. Norbert hat das oben in seinem Beitrag sehr anschaulich dargestellt. (Diese Übersicht würde ich gerne in Fortbildungen benutzen.)

Die Arbeit mit den Wörterbüchern gehört zum Bereich Korrekturkompetenz. Die Rechtschreibwekstatt führt das Korrigieren an fremden Texten ein, da Kinder zu Beginn nur die Verschreibungen ihres Lernbereiches (und der darunter) finden können. Im Anschluss an diesen Lernbereich erwarte ich als Lehrer aber auch, dass Kinder diese Verschreibungen mit Hilfe der Korrekturtechnik in ihren eigenen Texten finden können. Da brauchen sie also kein Wörterbuch. Erst im WZ-Zimmer kommen alle Fehler gemischt vor. Ab hier arbeiten die Kinder auf der ganzen Bandbreite. Auf die Spitze getrieben heißt das für mich, dass Wörterbücher erst bei den Ausnahme- und Fremdschreibungen Sinn machen. Bis dahin sollten sie im Schrank stehen bleiben.

Macht es also nicht Sinn, die Arbeit mit dem Wörterbuch an die Arbeit mit den Korrekturtexten zu koppeln? Macht es nicht auch Sinn, dann die Leistungsbewertung an Hand von Beobachtungen des Lehrers nur hier zu bewerkstelligen? Beziehungsweise macht es überhaupt Sinn, die Wörterbucharbeit mit zu bewerten? Der Lehrplan Deutsch erwähnt die Arbeit mit dem Wörterbuch eher nebenbei:

"Bereich: Schreiben
Schwerpunkt: Richtig schreiben
Kompetenzerwartungen am Ende der Klasse 4
Die Schülerinnen und Schüler
• verwenden Hilfsmittel (z. B. Wörterbuch, Lernkartei, Rechtschreibhilfe des PC)"

Keiner würde bisher auf die Idee kommen, die Nutzung der Rechtschreibhilfe beim Programm Word durch die Kinder mit in die Rechtschreibnote aufzunehmen, oder?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

Schöne Grüße aus Münster
Gerd

Meine Hansajolle Flyt im Netz

neuer Beitrag
 24.11.2009 16:36
 
Hallo Anne,

unsere beiden Antworten haben sich überschnitten und ich habe deinen Beitrag erst nach dem Absenden gelesen. Deswegen antworte ich dir noch einmal direkt.

Ich finde es toll, wie deine Kinder die Wörterbücher benutzen. Besonders der Hinweis, dass mit abnehmender Fehlerzahl der Wunsch nach dem Wörterbuch ebenfalls abnimmt, zeigt, dass die Kinder sowohl beim Rechtschreibgespür, als auch bei den -Kenntnissen auf dem richtigen Weg sind.

Anders stellt sich aber die Situation in der Grundschule bei Kindern mit vielen Fehlern dar (zumindestens aus meiner Sicht). Hier ist häufig die Verunsicherung so groß, dass die Kinder am liebsten jedes Wort nachschlagen möchten. In den Köpfen steckt leider häufig noch die Meinung, dass Wörter nur richtig auf dem Blatt stehen dürfen. An dieser Stelle ist die Benutzung des Wörterbuchs aber uneffektiv und aus meiner Sicht nicht sinnvoll. Aber da sind wir ja einer Meinung.

Die Ausführungen zur Benutzung bei der Diagnose habe ich dir oben geschrieben.

Schöne Grüße
Gerd

Meine Hansajolle Flyt im Netz

neuer Beitrag
 25.11.2009 20:12
 
Liebe Anne, Gerd, Norbert,

vielen Dank für eure Wörterbuch-Diskussion, die ich mit Interesse verfolge. Zum Wörterbuch als "Korrektur-Instrument" möchte ich einen anderen Aspekt hinzufügen:
Durch ihre Arbeit in der Rechtschreibwerkstatt werden Kinder sensibilisiert für die Rechtschreibung und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Auf ihrem Lernweg wächst zwar ihre Rechtschreibkompetenz, sie reicht aber meist noch nicht aus, wenn es darum geht, eigene Texte zu schreiben. In ihrem Bemühen, auch dabei möglichst richtig zu schreiben, möchten einige Kinder das Wörterbuch benutzen, nicht, um ihre geschriebenen Texte zu korrigieren, sondern beim Schreiben nachzuschlagen, wie Wörter geschrieben werden, bei denen sie noch unsicher sind, weil sie noch nicht alle Lernbereiche durchgearbeitet haben. Bei mir ist das auch im vierten Schuljahr der Fall, wenn ich Klassen übernehme, die am Anfang des 3. Schuljahres erst beginnen, mit der RSW zu arbeiten. Auch bei mir als erwachsenem Schreiber beobachte ich ja beides:
Wenn ich einen Text schreibe, schlage ich einige Wörter nach, bevor ich sie schreibe. Wenn ich einen Text Korrektur lese, wie jetzt gerade die Diplomarbeit meines Sohnes, benutze ich das Wörterbuch für die Korrektur.

Herzlich grüßt

Christhart
neuer Beitrag
 25.11.2009 20:36
 

Lieber Christhart,

dieser Wörterbuch-Typ bin ich auch. Dann befinde ich mich ja in guter Gesellschaft.

Gutes Gelingen bei der Korrektur, die sicherlich nicht so einfach ist. Aber wir haben doch gutes Training, gelllllllle, Christhart?

 

Liebe Grüße

Anne

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